Der Altar der Marktkirche: Bilder 1-5


Bild 1: Einzug in Jerusalem
Die 20 das Zentralbild ergänzenden Bilder
sind in vier Sequenzen zu je fünf Szenen gegliedert, von denen jeweils zwei übereinander angeordnet sind. Sie überspannen so den Schrein und die Flügelinnenseiten und sollen von links nach rechts betrachtet werden, wobei das Zentralbild unberücksichtigt bleibt. Inhaltlich gehen die Darstellungen ebenso auf die Texte des Neuen Testaments wie auf deren Erweiterungen durch legendäre Berichte zurück.

Die Eingangssequenz in der oberen Reihe links vom Zentralbild umfasst die neutestamentlichen Szenen der Passionsberichte, die den noch aktiven Jesus zeigen:

1. Einzug Jesu in Jerusalem
Der auf einem Esel reitende Jesus soll an die zeitgenössischen Palmesel-Prozessionen erinnern. Die Jünger Jesu werden durch Petrus vorn und die Brüder Jakob und Johannes dahinter repräsentiert, Jakob bereits mit Pilgermütze (noch ohne die typische Pilgermuschel), die ihn als Patron der Marktkirche kenntlich macht. Das den Christus vor dem Stadttor empfangende Volk ist durch zwei Männer vertreten, von denen der eine seinen Umhang unter die Hufe des Esels ausgebreitet hat (vgl. Joh. 12,12-19; Mt. 21,1-11). Im Hintergrund ist die 'hochgebaute Stadt' zu sehen.




2. Die Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel
Bild 2: Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel
Von links tritt Jesus mit einer strickartigen Geißel zuschlagend an einen Wechslertisch heran, an dem drei überraschte Kaufleute eilig ihre Münzen fortzubringen versuchen (vgl. Joh. 2,14-21): 'Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen (Psalm 69,10)'.




3. Entlarvung des Verräters durch Jesus
Um den mit Tischtuch, Broten und Lammbraten gedeckten Tisch ist Jesus dicht gedrängt mit den zwölf Jüngern versammelt. Sie sind dabei, das Abschiedsmahl einzunehmen. Jesus hat angekündigt, dass einer der zwölf ihn verraten wird.
Alle Jünger sind erkennbar verunsichert. Petrus links neben Jesus klopft mit der rechten Hand gegen seine Brust, um zu fragen: 'Herr, bin ich es?' Der hat inzwischen schweigend einen Bissen in die Schüssel getaucht und reicht ihn nun über den Tisch zu Judas hinüber, der vorn links zu erkennen ist, seinen Blutgeldbeutel schon unter dem rechten Arm hat und mit betend erhobenen Händen und offenem Mund bereit ist, den Bissen wie eine Hostie zu empfangen. Gleich wird er die entlarvenden Worte seines Meisters vernehmen: 'Was du tust, das tue bald!' (vgl. Joh. 13,21-30).
Bild 3: Entlarvung des Judas beim Abendmahl
Die Stiftungsszene des Altarsakraments ist hier also auf die Entlarvung des Verräters konzentriert. An der Betonung dieser 'Judaskommunion' zeigt sich besonders deutlich der sakramentale Charakter des Retabels (vgl. 1. Kor. 11,23-29; Mt. 26,20-29).
Unter den anderen Jüngern sind namentlich zu identifizieren: Andreas links von Petrus, Johannes rechts von Jesus, der dessen Kopf liebevoll umfasst, ferner dessen Bruder Jakob, der Marktkirchenpatron, rechts von Johannes, dann Philippus mit Kelch und Bartholomäus (vgl. Mt. 10,2-4).


Bild 4: Fußwaschung
4. Fußwaschung Petri durch Jesus
Diese Szene könnte hier fehlen, weil sie eine thematische Parallele zur 3. Szene darstellt. Um aber die erforderliche Fünfzahl in dieser Sequenz zu erreichen, ist sie hinzugefügt (im Johannesevangelium wird die Fußwaschung vor der Entlarvung berichtet).

Der Vorgang ist wieder auf Jesus und einen bestimmten Jünger konzentriert. Jesus hat sich hingekniet und wäscht mit Schürze und aufgekrempelten Ärmeln den rechten Fuß seines Jüngers Petrus. Mit deutlicher Geste sucht Petrus das dienende Verhalten seines Meisters abzuwehren, wird aber gleich dessen Worte hören: 'Werde ich dich nicht waschen, so hast du keinen Teil an mir' (vgl. Joh. 13,2-17).

Auch hier umgeben die anderen elf Jünger den Vorgang. Links sind die Brüder Johannes und Jakob zu erkennen. Am rechten Rand steht Matthäus, der sein künftiges Evangelium in der linken Armbeuge hält (vgl. die 5. Szene). Ganz rechts schleicht sich Judas fort, seinen Meister zu verraten.


Bild 5: Gethsemane
5. Gebet Jesu in Gethsemane
Durch Felslandschaft, Flechtzaun und Eingangstor ist der Garten Gethsemane am Ölberg kenntlich gemacht. In der Mitte ist der in Todesangst betende Jesus zu sehen. Seine Augen sind auf den symbolischen Leidenskelch gerichtet, der rechts oben auf einem Felsvorsprung steht.

Im Vordergrund sind drei Jünger in tiefen Schlaf versunken, links Petrus und Jakob, zur Rechten Johannes, der als zukünftiger Evangelist ein Buch auf dem Schoß hält. Im Hintergrund führt Judas - kenntlich am Blutgeldbeutel in seiner linken Hand - die Häscher heran. Diese werden durch drei Personen repräsentiert, von denen zwei die Helme römischer Soldaten tragen und der Dritte eine typische mittelalterliche Judenmütze auf dem Kopf hat (vgl. Mt. 26,36-41; Joh. 18,2-3).