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6. Verrat und Verhaftung Jesu Die dramatische Szene erfasst den Augenblick, in dem der verhaftete und gefesselte Jesus von vier Häschern gewaltsam abgeführt wird. Der Jünger Petrus hat sein Schwert gezogen und den Assistenten des jüdischen Oberpriesters damit angegriffen, um seinen Meister zu verteidigen. Der Assistent ist zu Boden gegangen, nachdem ihm Petrus mit einem Schwerthieb das rechte Ohr abgehauen hatte. Die ihm entfallene Laterne weist auf die nächtliche Situation hin. Alle hören die Worte Jesu zu Petrus: 'Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?' Hinten links ist der Jünger Judas zu sehen, der nach dem Verrat - mit dem Blutgeldbeutel in der rechten Hand - die Szene verlässt und den Weg der Reue und Verzweiflung vor sich hat (vgl. Joh. 18,2-11; Mt. 27,3-6).
Der an den Handgelenken gefesselte Jesus wird von vier Häschern dem Hohenpriester Hannas vorgeführt, der am rechten Rand auf dem Richterstuhl sitzt. Am Fuß des Stuhls kauert ein Hündchen - Symbol des Bösen. Die Häscher schlagen auf den Gefangenen ein und quittieren so dessen selbstbewusste Antworten (vgl. Joh. 18,12-14.19-24). Auch hier weist die Laterne auf die nächtliche Situation hin.
Wieder sind es vier Häscher, die durch die zeitgenössischen 'Türkenturbane' und 'Judenmütze' als Feinde Christi kenntlich gemacht sind; der vordere ist deutlich als Malchus, Assistent des Oberpriesters, zu identifizieren. Sie führen den gefesselten Jesus vor den Thron des Oberpriesters, der in seiner Funktion durch eine geschmückte Kopfbedeckung hervorgehoben wird, die sich kaum von einer christlichen Bischofsmütze unterscheidet. Der jüdische Anführer erhebt laut Anklage gegen Jesus. Diese Szene soll die Gerichtsverhandlung vor dem Hohen Rat Israels repräsentieren. Als sich Jesus unter Eid als göttlicher Christus bekennt, wird er als Gotteslästerer zum Tod verurteilt. Kaiphas ist dabei, mit seinen Händen symbolisch seine Priesterkleidung aufzureißen, weil er die Gotteslästerung Jesu vernommen hat (vgl. Mt. 26,59-66).
Im Unterschied zum Neuen Testament, in dem das Verhör Jesu vor Herodes auf Veranlassung des römischen Gouverneurs Pilatus geschieht, ist es hier in die 'Judensequenz# eingefügt, um so neben der gewünschten Fünfzahl auch die inhaltliche Zusammenfassung der 'Judenszenen' zu erreichen. Herodes sitzt auf einem mit Wappen geschmückten Thron mit königlichem Kopfbund und langem Vollbart, hört die Anklagen der vier Männer, die den gefangenen Jesus vorführen, unter denen sich zwei römische Soldaten befinden. Er versucht, Jesus über seine Lehre zu befragen, und wird gleich den Entschluss fassen, den Gefangenen zurückzusenden, ohne die Anklage zu bestätigen (vgl. Lk. 23,4-12).
Jesus, bis auf das Schamtuch entblößt, sein Mantel am Boden ausgebreitet, ist an eine Säule gebunden und wird von drei jüdischen Schergen mit Schlaggeräten so gepeinigt, dass sein Körper mit blutigen Wunden übersät ist. Dieses dramatische Ende der 'Judensequenz' ist so nirgends in den Passionsberichten des Neuen Testaments nachzuweisen (vgl. die Parallele des ausgebreiteten Jesusmantels im Zentralbild). Dort ist zwar von Verspottung des Verurteilten die Rede, nicht aber von Entblößung und Geißelung (vgl. Mt. 26,62-68; Mk. 14,61-65; Lk. 22,63-65). Die Volksfrömmigkeit des Mittelalters ging von drei Phasen der Passion Jesu aus, die sich steigernd bis zur Hinrichtung die dreifache Verlassenheit Christi dokumentieren: von den eigenen Jüngern aufgegeben, verleugnet und verraten, vom eigenen Volk ausgestoßen und ausgeliefert, von der 'Heidenwelt' am Kreuz getötet. So offenbart sich menschliche Sünde. Alle sind schuldig am Tod Christi, allen soll und kann aber nach dem Willen des barmherzigen Gottes Vergebung und Gnade zuteil werden (vgl. Röm. 11,25-36). Denn sein Tod am Kreuz ist zum Sühneopfer geworden, das denen allen zu Gute kommt, die vertrauensvoll im Sakrament des Altars den 'Leib des Herrn' empfangen (vgl. Röm. 3,23-26). |
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