|
|
In der Gestalt des römischen Gouverneurs Pilatus zeigt sich auch das Römische Reich als unfähig, den in der Person Jesu nahe gekommenen Gott anzuerkennen, und muss nun mit der Ausführung des Todesurteils den göttlichen Heilsplan ungewollt realisieren. 11. Verspottung und Dornenkrönung Jesu Am linken Bildrand steht der römische Gouverneur Pilatus, unter dessen Aufsicht vier Schergen dabei sind, Jesus als König zu verhöhnen. Er ist entblößt auf einen Sitz gesetzt, ein roter (teilweise versehentlich goldfarbener) Umhang wird um seine Schultern drapiert und eine Dornenkrone auf sein Haupt gedrückt, die er nun bis zum Tod tragen muss. Ein Soldat kniet scheinbar ehrfürchtig mit entblößtem Haupt vor ihm, in der linken Hand hält er den Helm, mit der rechten steckt er Jesus einen Metallstab als Zepter zwischen die Finger, während die anderen drei Jesus mit gespieltem Jubel verspotten. Diese Szene ist der Anfang eines Prozesses, mit dem die heidnische Weltmacht den Christus des einen Gottes aus ihrer Welt zu drängen versucht (vgl. Mt. 27,27-30).
Pilatus führt den an den Händen gefesselten Jesus als Spottkönig den jüdischen Anklägern vor: 'Seht, was für ein Mensch!' Seine Hoffnung, diese so von ihrer Anklage abzubringen, wird enttäuscht. Sie fordern: 'Kreuzige, kreuzige!' Einer der vier jüdischen Repräsentanten trägt den Habit der Gelehrten, ein anderer hat die Kopfbedeckung abgenommen und beobachtet kniend die Blutstropfen, die von der geschundenen Haut Jesu auf die Treppenstufen fallen und hat dabei in neugieriger Konzentration zwei Finger der rechten Hand in den Mund gesteckt. Wie in der 7. Szene kauert ein Hündchen unterhalb der Treppe. Thematisch ist in der 11. und 12. Szene abermals eine Verdoppelung vorgenommen, um die geforderte Fünfzahl zu erreichen (vgl. Joh. 19,5-7). 13. Entschluss zur Kreuzigung Jesu
Unter starken politischen Druck geraten, lässt der römische Gouverneur wider besseres Wissen Jesus, der gefesselt neben ihm steht, von laut schreienden Schergen zur Kreuzigung abführen (vgl. Mt. 27,15-26). 14. Kreuzweg Jesu
Drei weitere Soldaten umringen ihn, von denen einer sich fluchend an zwei Personen wendet, die unschwer als die Jesusmutter Maria und der Lieblingsjünger Johannes zu identifizieren sind. Vorn links sinkt eine junge Frau auf die Knie und nimmt ein Schweißtuch in Empfang, das Jesus ihr mit der rechten Hand reicht und den Abdruck seines Gesichtes zeigt, nachdem er es damit getrocknet hatte. Erst im 13. Jahrhundert hat die Volksfrömmigkeit die dann bald berühmte Reliquie der heiligen Veronika so zu verehren begonnen, dass sie in Fronaltäre geschnitzt und gemalt aufgenommen wurde. Um diese 'moderne' Legende hier darstellen zu können, wurde auf die sonst übliche Darstellung des Simon von Kyrene als Kreuzträger Jesu verzichtet (vgl. Lk. 23,26-31; Joh. 19,16-17).
In einsamer Landschaft, die nur durch den baumbestandenen Golgathahügel begrenzt wird, sind auf Befehl des römischen Gouverneurs vier Schergen dabei, den von allen verlassenen, nur mit Dornenkrone und Schamtuch bekleideten Jesus auf sein Kreuz zu schieben und ihn darauf an Händen und Füßen in den vorgebohrten Löchern mit Nägeln zu befestigen. Sein schmerzverzerrtes Gesicht lässt schon den Schrei ahnen, mit dem er sterben wird: 'Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen' (vgl. Mt. 27, 46). Ganz bewusst wurde hier beim Vorgang der Kreuzigung Jesu mit dem Hinweis auf seine totale Einsamkeit der Abschluss der Römersequenz markiert, obwohl auch das im Neuen Testament so nicht berichtet wird: 'Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt' (vgl. Joh. 1,29. 36). Damit wird der sakramentale Charakter des Zentralbildes genauso hervorgehoben, wie das auch schon in den beiden anderen Schlussbildern der vorhergehenden Sequenzen der Fall war (vgl. die 5. und 10. Szene). Die Preisgabe Jesu durch Jünger setzt sich fort in der Auslieferung durch Israel und vollendet sich in der Hinrichtung durch Heiden (vgl. 1. Kor. 11,22-25). |
||||||||||||||||||||||||||
|
Hanns-Lilje-Platz 2, 30159 Hannover Telefon: (0511) 36437-0 / 36437-20 Telefax: (0511) 36437-37 eMail: marktkirche.hannover@evlka.de |