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Damit überragte die Marktkirche damals das enge Gewirr der meist nur zweigeschossigen Bürgerhäuser um ein Vielfaches und ließ die Bewohner das „Himmlische Jerusalem“ unmittelbar vor ihren Augen spüren. Sie fühlten es noch stärker, wenn sie die hohe eingewölbte Kirchenhalle betraten, in der um 1500 an zwölf Altären zugleich die Messe stattfinden konnte. Liturgische Gesänge durchzogen den Raum und bewirkten eine andächtige Stimmung. Sie wurde noch unterstützt durch die Farbigkeit der Altäre, die Malereien an Decken und Gewölben und die bunt verglasten Fenster. Die dargestellten biblischen Szenen und die Legenden der vielen Heiligen verkündigten die christliche Botschaft. Die Macht Gottes wurde durch dieses himmelstrebende Haus den Gläubigen bewusst gemacht, und noch heute besitzt die Marktkirche diese Ausstrahlungskraft. Trotz der Tatsache, dass manches Bürohaus an ihre Höhe heranreicht, ist die Marktkirche immer noch das Wahrzeichen und damit die geistige Mitte Hannovers.
Drei Besonderheiten prägen die Hallenkirche und stellen sie damit in der Kunstlandschaft Norddeutschland eindrucksvoll heraus. Zunächst ist das Material – der Backstein im Klosterformat schwankt zwischen 26/12/8,5 und 28/13/10cm – hervorzuheben. Die Marktkirche ist neben der kleinen Kapelle der Ev.-luth. Immanuel-Kirchengemeinde in Laatzen bei Hannover das südlichst gelegene Bauwerk der norddeutschen Backsteingotik. Da jedoch Hannover unfern einiger Natursteinbrüche liegt, ist ihr Baumeister nicht so konsequent vorgegangen wie seine Kollegen andernorts. Die Sockel und Gesimse, das Westportal und die Mauerecken des Turmes sind aus Deistersandstein und dem Kalkstein des Lindener Berges aufgemauert. Die Maßwerke der schlanken Fenster waren jedoch aus Ziegelsteinen aufgesetzt und wurden erst bei der großen Restaurierung von 1855 durch solche in Sandstein ersetzt. An den Nebenchören hat dieses Material den Krieg überstanden. Die Pfosten der übrigen Fenster bestehen heute aus mit Kupfer ummantelten Stahlprofilen. Das Traufgesims der Halle setzt sich vom Beginn her aus unterschiedlichen Formsteinen zusammen. Glasierte Ziegel gliedern die profilierten Fensterlaibungen. Drei Portale mit Kreuzblumen aus Sandstein führen auf den Langseiten in das Innere. Vieleckige Treppentürme mit Natursteinhauben von 1855 markieren die Naht zwischen dem Langhaus und den Nebenchören. Der Rhythmus der gleichmäßig aufgereihten Strebepfeiler im Wechsel mit den lanzettartigen Fenstern mit ihren tiefgegliederten schrägen Laibungen und die steile, schmucklose Dachfläche verleihen dem Außenbau seine Monumentalität.
Planwechsel im 14. Jahrhundert
Die neue Raumschöpfung einer Hallenkirche verbreitete sich so, dass viele Städte der Mark Brandenburg und die Hansestädte Hamburg und Lübeck ihre Kirchen mit ähnlichen Grundrissen – dem Langhaus in „niedersächsischer“ Form – durchbildeten. Auch die Detaillierung der schmalen Pfeilerkapitelle und die an den Rundpfeilern bis zur Basis durchlaufenden Runddienste sind als Eigenarten dieser Landschaft und in Bardowick, Uelzen, Stendal und Lüneburg zu finden.
Ein Drittes: Der mächtige, knapp 100 m hohe Turm steht selbständig vor der Halle; er ist in sie nicht eingebunden. Hier tritt ein westfälisches Merkmal – der Einturm – von Paderborn und Soest herkommend auf, das sich aber weiter im Norden in dieser Mächtigkeit nur bei der St. Johannis-Kirche in Lüneburg durchgesetzt hat. Das Viergiebeldach am Ansatz des Turmhelmes ist dagegen im nördlichen Deutschland wieder häufiger anzutreffen. Es gilt als sicher, dass für die Marktkirche ein ähnlich steiler Helm wie in Lüneburg geplant war, nur 1366 „... seind die Bauleuthe müde und im Säckel krank und haben den Thurm an seinen vier Giebeln und Archen best, wie sie gekunt zugedecket, diese itzige geringe Spitze hinauffgesetzet ...“ Die Form des Dachreiters als verkleinertes Abbild des Turmes erläutert die Absicht des Baumeisters, wie er sich ursprünglich den Helm gedacht hatte. Die schwere Masse des Turmes steigt vier Stockwerke hoch, die durch schmale Simse getrennt sind. Ihre Form gleicht denen des Langhauses. Der Turm trägt ein elfstimmiges Geläut. Zu den drei alten Glocken von 1160, 1653 und 1733 kamen in den Jahren 1951 und 1960 weitere hinzu.
Pentagramm und Hexagramm
Mehr zu den Turmzeichen unter http://www.kirche-hannover.de/news/berichte/1062767660.html
Begräbnisplatz, Grabdenkmale, Kreuzigungsreliefs Die Kirche war über viele Jahrhunderte hindurch auch Begräbnisplatz. So wurden im Kirchenraum auch der Reformator Niedersachsens, Antonius Corvinus (1501 – 05.04.1553), und das Urbild des „Deutschen Michel“, der in dem Schlacht bei Seelze gefallene dänische Oberst Hans Michael von Obentraut (02.10.1574 – 25.10.1625), begraben. Die genaue Lage der Grabstätten ist nicht mehr bekannt. Aus der Fülle der Epitaphien, Grabsteine, Bilder und Denkmale blieben nach den Umgestaltungen der beiden letzten Jahrhunderte nur wenige Stücke übrig. Der Krieg vernichtete weitere. An den Außenwänden von Kirche und Turm sind noch 21 Grabdenkmale aufgereiht. Die Spannweite der Grabdenkmale reicht über zwei Jahrhunderte hinweg. Besonders genannt werden sollen an dieser Stelle der Gedenkstein der Schwestern Romel † 1570 und 1578 (Südseite) und das Epitaph des Kaufmanns Johann Kleine im überladenen Barockstil von 1672 (Turmnordseite), geschaffen von dem Bildhauer Jost Bleidorn aus Hildesheim. Herauszustellen sind noch drei Kreuzigungsreliefs, deren Handschrift Kunde von den unterschiedlichen Stilen im jeweiligen Jahrhundert geben. Das früheste aus der Zeit um 1385 ist in einen Strebepfeiler auf der Nordseite eingelassen und auch am besten erhalten. Es kann möglicherweise bereits während der Bauzeit der Kirche als Teil eines Kreuzweges oder als Gebetsstation für eine Prozession mit eingemauert worden sein. Gleiches gilt für die Kreuzigung aus dem 15. Jahrhundert an einem anderen Strebepfeiler, deren Flachrelief unfertig erscheint. Das jüngste Relief, nach 1500 gemeißelt (Nordseite), zeigt bereits so große Verfallsspuren, dass nur noch Teile des Textes zu entziffern sind. Die starre Haltung der Figuren steht im starken Widerspruch zur lebendigen Gestaltung der Gruppe um 1385. An zwei Strebepfeilern der Südwand sind hoch oben seit Jahrhunderten zwei Sonnenuhren eingelassen. Die eine, wohl aus der Bauzeit der Kirche, misst die Zeit mit einem sechsteiligen Halbkreis, die andere von 1555 zwölf Stunden in einem Dreiviertelkreis. |
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