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Weitere Reste von Sandsteinwerkstücken sind in den Fundamenten vermauert. Im Bödekersaal unterhalb des Kirchenschiffes sind neben unbehauenen Bruchsteinen vielerlei Werksteine zu finden – Kennzeichen für eine reich ausgestattete romanische Kirche: Teile eines rundbogigen Frieses mit umgebogenen Enden, profilierte Lisenenstücke, eingebundene Säulenvorlagen, Reste von Rundbogenfenstern und weitere Sockelstücke. Besonders herausgestellt werden muss das Kapitell einer Halbsäule, dessen Akanthus Zusammenhänge mit Kapitellen aus der Stiftskirche im benachbarten Wunstorf vom Ende des 12. Jahrhunderts erkennen lässt. Im Blick auf die Bedeutung der Marktkirche für das mittelalterliche Hannover kann davon ausgegangen werden, dass der romanische Bau ähnlich der zwischen 1149 und 1167 errichteten St. Ägidienkirche dreischiffig ohne Querhaus gewesen ist. Das bei der letzten Grabung im nördlichen Seitenschiff entdeckte vorzügliche Ziegelmauerwerk auf Natursteinsockel wird ebenfalls zu diesem Bau gehört haben. Vielleicht ist der Stadtbrand von 1189 doch der Anlass für einen Neubau oder zumindest für einen durchgreifenden Umbau der Marktkirche gewesen.
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts begann für die Hansestadt eine wirtschaftliche Blüte. Der Wohlstand Hannovers schlug sich in seinen Bürgerhäusern, seinem Rathaus und ganz besonders in seinen Kirchenbauten nieder, die über die niedrigen, meist noch in Reet gedeckten Wohnbauten weit hinausragten. Zunächst wurde als neue, dritte Pfarrkirche St. Crucis 1333 begonnen. Dann ersetzten die Bürger die zu klein gewordene romanische Kirche St. Ägidien durch eine größere dreischiffige Halle, die 1347 fertig wurde. Als weitere gottesdienstliche Stätten waren inzwischen entstanden: um 1250 die Hospitalkirche St. Nicolai am Steintor, 1325 um einen gotischen Chor erweitert (der den Krieg überstand), und 1291 das Minoritenkloster an der Leine, das im späteren Schlossbau aufging. Auch die große Pest, die Hannover 1350 erreichte, hinderte nicht die Baulust, im Gegenteil, sie gab weiteren Ansporn. Hannover war zu dieser Zeit eine Stadt mit etwa 4000 Einwohnern.
Die Bürger waren in ihrem Bestreben nach einem herausragenden Bauwerk bereit, Bauideen aufzunehmen, die sich andernorts bereits durchgesetzt hatten. So bauten sie nicht herkömmlich in Naturstein und auch keinen einschiffigen aus dem Mittelschiff herausgezogenen Chor wie bei St. Ägidien und der Kreuzkirche, sondern sie errichteten eine großartige dreischiffige Halle, deren Schiffe im Osten nahezu gleichlang in gebrochener Form endeten und – dies ist das Auffallendste – sie mauerten in Backstein. 1342 wurde die im Bau befindliche neue Kirche als ecclesia sanctorum Jacobi et Georgii bezeichnet. Der bisher alleinige Namensheilige St. Georg rückte an die zweite Stelle und machte dem Schutzpatron der Pilger und Kaufleute Platz. Bereits 1340 waren die ersten, schon farbig verglasten Fenster fertig. Die ersten Altäre werden 1341 und 1347 erwähnt. Darunter war auch der von dem Knochenhauer Grewe gestiftete Peter-Paul-Altar, der im Südchor seinen Standort hatte. Er wurde 60 Jahre später in einem Prozess dem Knochenhauer von der Familie Limburg abgenommen. Seither heißt der Südchor der Limburgsche Chor. 1347 begannen die Bauleute den wuchtigen Turm zu fundamentieren. – Dem damaligen Brauch und der Notwendigkeit entsprechend, blieb die alte Kirche so lange wie möglich in Benutzung. Erst als die Hallenkirche mit massiven Gewölben überdeckt werden sollte, brachen die Handwerker den alten Bau ab, wozu im Jahre 1349 der Bischof von Minden die Genehmigung erteilte. Der neue Hauptchor muss also, um laufend Gottesdienste zu gewährleisten, zu dieser Zeit benutzbar gewesen sein. Das Sandsteinmaterial der romanischen Kirche verwandten die Handwerker in den Fundamenten der acht runden Pfeiler. So brauchten keine neuen Steine mühsam von weither geholt zu werden. Über die Einwölbung der Kirche wird 1352 berichtet; der Turm als westliches Widerlager der Schiffswölbung dagegen war noch im Bau. Für ihn gab der Magistrat 1358 weitere Gelder frei. Als diese 1366 ausgegeben waren, musste der Bau des Marktkirchenturmes stillgelegt werden. Das Datum der Kirchweihe ist nicht überliefert. Altersbestimmungen der Jahresringe an Eichenhölzern des eindrucksvollen Dachstuhls, der weitgehend die Zerstörungen des letzten Krieges überstanden hat, ergaben ein Fälldatum der Bäume zwischen 1386 und 1388. Da aber nach 1350 weitere Zuwendungen und Spenden urkundlich überliefert sind und die romanische Kirche nicht mehr bestand, ist eine provisorische Nutzung der Marktkirche ab 1360 als sicher anzunehmen. In der für einen mittelalterlichen Kirchenbau doch sehr kurzen Zeitspanne von etwa vier Jahrzehnten hatte die „Kleinstadt“ Hannover es trotz Pest und der damit verbundenen finanziellen und sozialen Notzeiten geschafft, eine große gotische Backsteinhallenkirche zu errichten –- eine Leistung, der heute noch Bewunderung zu zollen ist. Dabei ist besonders zu bedenken, dass für den Brand der vielen Millionen Backsteine bei den noch einfachen Brennöfen Tausende von Kubikmetern Holz und Holzkohle beschafft werden mussten. Es war solide gebaut worden. Selbst die Zerstörungen des letzten Weltkrieges, dem unter anderem die Gewölbe und die Fenstermaßwerke zum Opfer fielen, haben das starke Mauerwerk der Wände mit der vollständigen Durchmauerung mit Ziegelsteinen nicht in Mitleidenschaft ziehen können, wobei außerdem noch erwähnt werden muss, dass mit dem Kalk vom Lindener Berg ein ausgezeichnet haltbarer Mörtel hergestellt werden konnte. |
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