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Der Kupferstecher Matthäus Merian war ein ausgezeichneter und genauer Beobachter, als er im Jahre 1641 die Stadtansicht Hannovers zeichnerisch beschrieb. Neben den steilen Helmen der Stadttore und Mauertürme prägten die hochragenden Turmspitzen der Pfarrkirchen St. Ägidien (links), St. Crucis, die Kreuzkirche (rechts) und der Marktkirche St. Georgii et Jacobi (Mitte) die Silhouette dieser Stadt. Schon damals trug die Marktkirche als weithin sichtbares Wahrzeichen Hannovers den schlanken Dachreiter auf seinem mit vier Giebeln bekröntem Turmdach. Da er 1699 herabstürzte und in gleicher Gestalt sechs Jahre später wieder aufgerichtet war, ist davon auszugehen, dass sich der Marktkirchenturm seit seiner Erbauung im Jahre 1366 bis heute in seinem Aufriss nicht wesentlich verändert hat. Während bei der Wiederherstellung des alten Zustandes wohl die Bewahrung des bekannten Anblickes eine Rolle gespielt haben mag, wurden in den Jahren um 1700 die Turmaufsätze der beiden anderen Pfarrkirchen dem zeitgemäßen Baustil angepasst: Die während eines Orkans eingestürzte Spitze der Kreuzkirche bekam schon 1651 einen barocken Turmhelm als Ersatz. 1703–1717 wurde der Turm von St. Ägidien umgebaut. In dem dazwischenliegenden Zeitraum fügte sich der Neubau der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis mit seiner barocken Turmspitze 1691–1700 als neues Glied in die Ansicht dieser Stadt ein. Alle Türme brannten während des 2. Weltkrieges ab. Mit Ausnahme von St. Ägidien erhielten sie ihre vertraute Form wieder zurück.
Erstmals wird Hannover in den Miracula sancti Bernwardi (um 1150) als vicus hanovere erwähnt. Als Marktsiedlung auf dem höheren nördlichen Ufer der Leine gelegen, breitete sie sich rasch aus. Sie wurde bereits civitas genannt, als der Gegner Heinrichs des Löwen, der Sohn Friedrich Barbarossas und spätere Kaiser Heinrich VI., Hannover 1189 in Brand stecken ließ. Leider ist nicht überliefert, ob auch die bereits in Stein erbauten Kirchen dem Brand zum Opfer fielen. Herzog Otto das Kind bestätigte der Ansiedlung am 25. 6. 1241 die längst ausgeübten Stadtrechte. Die besiedelte Fläche Hannovers erstreckte sich damals in der Längsrichtung vom Ägidien- bis zum Steintor und in der kürzeren Querrichtung von der Leine bis zur torlosen Mauer, die etwa im Zuge der heutigen Georgstraße verlief. Die durch ihre Fachwerkbauten geprägte Altstadt verblieb in dieser Ausdehnung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts unverändert. 1636 wurde Hannover Residenz der Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg. Merian dokumentiert in seinem Stich von 1654 das verwandelte Stadtbild, in dem die Kirchen nicht mehr die alleinigen Merkzeichen bilden, sondern nun vom Fürstlichen Haus, dem Zeughaus und der barocken Befestigung begleitet werden. Die auf dem Südufer der Leine gegründete und Mitte des 17. Jahrhunderts mit Stadtrechten versehene Calenberger Neustadt entwickelte sich bis 1824 unabhängig von der Altstadt. Innerhalb des mittelalterlichen Mauerringes gab es drei Kirchspiele: Marktkirche, Ägidienkirche und Kreuzkirche. 1982 wurden die drei Innenstadtgemeinden infolge des Absinkens der Gesamtbevölkerung in der City zusammengelegt. Heute hat die Ev.-luth. Marktkirchengemeinde Predigtstätten in der Markt- und in der Kreuzkirche. Die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht wiederaufgebaute Ägidienkirche wurde 1952 durch die Stadt Hannover als Mahnmal für die Opfer der Kriege und der Gewalt ausgestaltet. |
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