Rundgang Innenraum: Bödekersaal und Turmportal


"Der Auftrag Christi an die Christen und ihre Stellung in der Welt", Steinrelief von Heinz Heiber, 1962
(Archiv DKV)
Beim Verlassen des Kirchenraumes wird der Besucher durch ein Steinrelief von Heinz Heiber (1928–2003) von 1962 „Der Auftrag Christi an die Christen und ihre Stellung in der Welt“ und das zu gleicher Zeit in der Turmwestwand eingefügte Betonglasfenster „Die Dreieinigkeit“ von Klaus Arnold (*1928) verabschiedet. Die Türgriffe an der Ausgangstür gestaltete Kurt Lehmann (1905–1997) aus Hannover, dessen Bildwerke verschiedentlich im Stadtbild zu finden sind.




Innerhalb der Turmhalle führt rechter Hand die Treppe zum Bödekersaal. Während der Wiederaufbauarbeiten stellte sich heraus, dass die Fundamente der Kirche bis in mehr als 3 m Tiefe reichten. Dadurch konnte der Wunsch nach einem Gemeindesaal unter der Kirche erfüllt werden. Auf dem Treppenabsatz sind zwei gefundene, reich verzierte Säulenstücke der romanischen Kirche aufbewahrt. Die Fundamente der Rundpfeiler, in denen die anfangs erwähnten profilierten Natursteine der romanischen Kirche vermauert sind, wurden in die Gestaltung mit einbezogen. Der Saal für 100 Personen besitzt dadurch eine besondere Atmosphäre. Benannt ist er nach dem Senior Hermann Wilhelm Bödeker (1799–1875), Pastor an der Marktkirche.

Aus der früher sicherlich großen Anzahl von Totenschilden sind noch fünf aus dem 16. und 17. Jahrhundert übrig geblieben. Eine von ihnen nennt die Namen von 21 Gefallenen aus dem Gefecht bei Hainholz, das 1632 statt fand.

Zum Abschluss des Rundganges ein Blick zurück auf das Turmportal. Im Zuge des Wiederaufbaues 1952 erfuhren die Turmhalle und das innere Portal eine grundlegende Änderung, indem die neugotische Ausschmückung in Sandstein zugunsten der jetzigen in roten Ziegeln aufgegeben wurde. Die sich ständig verjüngenden Spitzbögen lenken den Blick auf die bronzenen Portalflügel von 1959, die Gerhard Marcks (1889–1981) schuf und die die Stadt der Kirche zu ihrem 600jährigen Bestehen stiftete. Die Tür bringt Bilder aus dem Leben der Gegenwart – discordia et concordia – Zwietracht und Eintracht.

Sie zeigt das Leben des Menschen in seinem Zwiespalt und seiner Feindseligkeit, aber auch in seiner Harmonie und schöpferischen Kraft, verbunden mit dem Lebensbaum und gekrönt durch den auferstehenden Christus, der das ganze Leben erlöst hat. Auf der Innenseite der Flügel sind die Namenspatrone der Kirche, St. Georg und St. Jacobus d. Ä., in Ritztechnik abgebildet. Die beigefügten Inschriften weisen auf den Stifter und das Alter der Kirche hin. Zwei Bibelverse verabschieden den Besucher: "Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir, wie unsere Väter alle, unser Leben ist wie ein Schatten." (1 Chr 29,15.) "Wohl den Menschen die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln." (Ps 84,6.)


Würdigung

Der monumentale dreischiffige Ziegelbau der Ev.-luth. Marktkirche St. Georgii et Jacobi beherrscht trotz der in unserer Zeit in der City errichteten Hochhäuser mit seinem mächtigen Ziegeldach und seinem den wuchtigen Turm bekrönenden charakteristischen Dachreiter das Zentrum der Landeshauptstadt. Die Übernahme baulicher Elemente westfälischer und norddeutscher Kirchen vereinigen sich in ihr zu einem eigenständigen Bauwerk. Durch ihren Standort im Grenzgebiet zwischen der Verwendung von Natur- und Ziegelstein wird der baugeschichtliche Wert der Marktkirche gesteigert. Mit dem benachbarten Backsteinbau des gotischen Rathauses bildet sie ein städtebauliches Ensemble, das bis zur Zerstörung die gesamte Altstadt umfasste. Diese war geprägt durch einen reichen Bestand bemerkenswerter bürgerlicher Fachwerkbauten. Dazwischen eingefügte Einzelhäuser aus Natur- und Ziegelstein repräsentierten den Reichtum der Bürger dieser Stadt. Von ihnen war das Wohnhaus des Philosophen Leibniz das berühmteste. Seine Fassade wurde rekonstruiert am benachbarten Holzmarkt wieder aufgerichtet. An der Burg- und der Kramerstraße dokumentieren darüber hinaus einzelne gerettete Bauten den spätmittelalterlichen Charakter der Altstadt, deren beherrschender Mittelpunkt die Marktkirche auch heute noch bildet wie seit je.

Nur wenige Meter vom Hauptportal entfernt ist im Straßenpflaster ein Kreuz eingelassen. Von diesem Punkt sind die Türme der vier alten Pfarrkirchen zu sehen: im Westen St. Johannis jenseits der Leine, im Norden St. Crucis (Kreuzkirche), im Süden St. Ägidien und im Rücken der Marktkirchenturm.