Rundgang Innenraum: Orgel und Grabdenkmale


Antonius Corvinus, Bronzetafel von Donato Diez, 2006
Neben den Grabdenkmalen an den Außenseiten der Kirche sind zwölf weitere im Innenraum aufgestellt. Drei von ihnen aus dem Ende des 16. Jahrhunderts geben dem südlichen Chor seine besondere Atmosphäre: Epitaph Albert und Anna Wedekind 1598/1611, Grabplatte Gevert und Barbara van der Wisch 1591/1596 und Grabplatte Franz und Anna von Wintheim 1570/1588. Die gotische Grabplatte an der Südwand für den Priester Johannes Weddinghausen von 1514 ist das älteste Grabdenkmal und stammt vom aufgelassenen Nicolaifriedhof.

Neu hinzugekommen ist im Jahr 2006 eine Bronzetafel zur Erinnerung an den Reformator Calenberg-Göttingens, Antonius Corvinus (1501-1553), der in der Marktkirche begraben ist. Die alte Tafel war im Krieg zerstört worden. Nun hat der bedeutende Reformator seinen Platz in der Marktkirche zurückerhalten. (Zur Bedeutung Corvins für die Reformation in Niedersachsen s. unter 'Literatur').

Die Orgel von 1953/54 im südlichen Seitenschiff
Photo Jutta Brüdern, Braunschweig
Hauptanziehungspunkt im südlichen Seitenschiff ist die Orgel. Sie wurde 1953/54 von den Orgelbaufirmen Emil Hammer und Rudolf von Beckerath gemeinsam gebaut. Sie umfasst in 61 Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal, nahezu 4500 Pfeifen. Die notwendigen Umbauarbeiten an Pfeifenwerk und Technik führte seit 1970 die Orgelbauwerkstatt Richard Rensch aus. Sie öffneten das Klangspektrum des Instruments in die französisch-sinfonische Richtung. Die Platzierung der Orgel im südlichen Seitenschiff und ihre Prospektgestaltung erfolgten in Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der Marktkirche und stammen von Architekt Dieter Oesterlen. Als ein bedeutendes Zeugnis des Orgelbaues aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts steht der Prospekt heute unter Denkmalschutz.

Schon 1328 und 1403 werden Orgeln urkundlich erwähnt. Um 1640 erweiterte der bekannte Orgelbauer Compenius eine nachreformatorische Orgel, deren Rückpositiv 1715 zunächst in die alte Kirche in Garbsen gelangte und nach deren Abbruch 1843 in den klassizistischen Neubau; dort ist es noch heute in Gebrauch. Das nachfolgende Instrument wurde unter Verwendung älterer Teile von den Gebrüdern Meyer umgebaut. 1893 bekam diese Orgel als Ergebnis einer großen Reparatur durch Furtwängler und Hammer einen neogotischen Prospekt. Er überstand den Krieg weitgehend unzerstört, wurde dann aber 1953/54 mit anderen erhaltenen neogotischen Ausstattungsstücken zugunsten der jetzigen Einrichtung aufgegeben.

Messingtaufbecken im nördlichen Chor
Photo Jutta Brüdern, Braunschweig
Hoch oben auf der Westwand des nördlichen Seitenschiffes hängt neben zwei fragmentarischen Epitaphien das vielfigurige Grabdenkmal für Statius und Catharina Vasmer, die 1598 und 1600 verstarben. Es wurde von dem weithin bekannten hannoverschen Bildhauer Jeremias Sutel um 1630 im frühbarocken Stil geschaffen. [Ein Foto finden Sie unter 'Grundriss', Nr. 9]

In der Mitte der Nordwand lehnt sich die rund 50 Jahre jüngere Grabstele des Ehepaares Eylers an das Backsteinmauerwerk. Die Fotografien zeigen frühere Zustände der Marktkirche.


Mittelpunkt des nördlichen Chores, nach der Familie Türke auch Türkenchor genannt, ist das mit 1,4 m Durchmesser für den praktischen Vollzug wenig brauchbare Messingtaufbecken der Marktkirche aufgestellt.

Es stammt sicherlich aus der gleichen Werkstatt in Hildesheim wie die Taufe im Südchor, auch im Programm ist es ähnlich. In zehn Nischen sind Heilige aneinander gereiht, von denen Jacobus d. Ä. – der Namenspatron mit Pilgermuschel am Hut, Johannes und Petrus sowie die Heilige Katharina mit Schwert (das Rad fehlt) und die Heilige Barbara mit Turm klar ablesbar sind. – Beide Taufen sind Kunstwerke von beachtlichem Rang.

An den Wänden dieses Chores stehen drei weitere Grabplatten, von denen die eines unbekannten Geistlichen aus der Zeit um 1650 sehr sparsam gestaltet ist. Oberhalb ist die Figur des Kirchenheiligen Georg aufgestellt, die ursprünglich das Hauptportal zierte und dort aufgrund ihres schadhaften Zustandes der modernen Interpretation des Georg Platz machen musste.

Der Rundgang führt über das Mittelschiff zum Ausgang zurück.