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Die Reformation wurde in Hannover am 14. September 1533 mit dem Auszug des Rates endgültig eingeführt. Eine neue Zeit war angebrochen. Die Bevölkerung erlebte eine stetig fortschreitende Umformung zur ständisch gegliederten Gesellschaft, die später im Barock zur Herrschaft Einzelner führte. 1636 wählten sich die Herzöge zu Braunschweig-Lüneburg die Stadt Hannover zur Residenz und bauten das Minoritenkloster am Hohen Ufer zum Schloss aus, das heute den Niedersächsischen Landtag beherbergt. Als Folge der Umgestaltung der Gesellschaft musste auch die Marktkirche mancherlei Veränderungen erdulden. Sie verlor durch den erforderlichen Umbau zu einer lutherischen Predigtstätte im Inneren den Charakter einer gotischen Hallenkirche.
Außergewöhnliche Ereignisse im Leben der Gemeinde waren die prunkvollen Gottesdienste zu Beerdigungen von bedeutenden Persönlichkeiten, für die auch gedruckte Predigten überliefert sind. In ihnen wird aber gleichfalls offenbar, dass das so herausgestellte Standesbewusstsein durch den Tod letztlich völlig bedeutungslos wird. Neue Wertvorstellungen in der späten Romantik ließen es zu, dass 1825 durch eine Zeitungsanzeige einmalige Ausstattungsteile meistbietend zum Verkauf angeboten wurden. Ähnliches geschah zu gleicher Zeit in der Ägidienkirche. Leider ist nicht bekannt, wo alle diese Schätze hingelangt sind. Geblieben war jedoch der hohe Altaraufsatz von 1663, da über ihn 1835 noch berichtet wird. Es sind keine schriftlichen Nachrichten überliefert, warum die so überreiche barocke Ausstattung der Marktkirche vernichtet wurde. Nur die zeitgenössische Darstellung des Innenraumes des Architekten C.W.H. Mithoff von 1848 zeigt uns eine Idealvorstellung des Kirchenraumes in der damaligen Zeit: eine leere Halle, in der nur die Prinzipalstücke einer lutherischen Kirche – Altar, Taufe und Kanzel – ihren Platz haben. Inzwischen begann sich die Bevölkerung zu einer Industriegesellschaft umzuformen, in der die christliche Gemeinde als eine Familie Gottes angesehen wurde, die angesichts der wachsenden Bevölkerung für die sonntägliche Predigt und die aufkommenden Konfirmationen viele Sitzplätze in der Marktkirche benötigte. So verschwand auch der Duvesche Altaraufsatz spurlos, als der hannoversche Architekt und Stadtbaumeister Droste bis 1855 die Kirche mit einer Einrichtung in neogotischem Stil versah. 1943 aber wurden die im Geschmack ihrer Zeit hervorragend gestalteten und handwerklich ausgezeichnet gefertigten Stücke so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass ihre Erhaltung nach Kriegsende als nicht lohnend erschien. Ein farbiges Aquarell aus der Zeit nach 1855 zeigt den Hauptchor mit einem filigranen Altar und zwei vieleckigen Emporen mit Baldachinen darüber, links für den hannoverschen König, rechts für den Magistrat. Umlaufende, mit Maßwerk verzierte Emporen füllten die Seitenschiffe vollständig aus. Die Nebenchöre waren durch Treppenhäuser abgesondert. Die reich geschnitzte Kanzel lehnte sich an den zweiten Pfeiler von Osten, stand damit also nahezu in der Mitte des Raumes. Wände, Gewölbe und Pfeiler waren nur sparsam mit Malereien überzogen. Erst 1893 wurden nach den Vorschlägen des Dekorationsmalers Hermann Schaper starkfarbige Malereien aufgetragen. In den Blindfenstern des Hauptchores – vom Mittelschiff aus nicht sichtbar – blieben die letzten Reste dieser historisierenden Ausmalung von hoher Qualität erhalten. Sie stellen auf der Nordseite die Verkündigung an Maria, im Süden die Ausgießung des Heiligen Geistes dar. Beide Darstellungen sind von einer hochwuchernden Maßwerkarchitektur umrahmt. |
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