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Bei zwei großen Bombenangriffen im Juli und Oktober 1943 zerschmetterten Sprengbomben den Innenraum, die Gewölbe und einen Teil des Dachstuhles. Den Turm trafen Brandsätze, die das Holzgerüst im Turmschaft, den Turmhelm und seinen Dachreiter durch Feuer vernichteten. Die gleichen Angriffe zerstörten auch die gesamte Altstadt. Schon im Januar 1946 begannen die Wiederaufbauarbeiten. Die Planung lag in Händen des Architekten Dieter Oesterlen (1911–1994), der die fertige Halle am 22. Juli 1952 an die Kirchengemeinde zurückgab. Neuromantische Vorstellungen eines mittelalterlichen Kirchenraumes waren der Anlass, den Ziegelstein vollkommen freizulegen und im Naturfarbton stehen zu lassen. Diese Absicht gibt dem Innenraum der Marktkirche seine strenge Monumentalität, die dem mittelalterlichen Bau, der von farbigem Licht, leuchtenden Malereien und einer reichen Ausstattung lebt, eigentlich fremd ist. Oesterlen hat diesem Bau seinen Stempel aufgedrückt, so wie Droste es 100 Jahre früher getan hatte. Möglicherweise wird eines Tages eine neue Generation kommen, die den gotischen Hallenraum wiederum nach ihren Vorstellungen umwandeln wird. Der Wiederaufbau verdient Achtung. Er hat dem Raum seine mittelalterliche Struktur zurückgegeben und lebt jetzt ganz – im Gegensatz zu barocken und neugotischen Vorstellungen – von den verschiedenen Rottönen des Ziegelsteines, der sich auch im Fußboden wiederfindet. Die Schrunden früherer Baumaßnahmen mit den Schlitzen für eine Gasbeleuchtung, allerlei Nischen und den Merkmalen der Kriegszerstörungen sollen Dokumente ihrer Zeit sein. Sie wurden daher nur, soweit erforderlich, ausgebessert. Die neu eingeführten Bauteile, wie die Betonrippen der Gewölbe und die aus akustischen Gründen gelochten Ziegelsteine der Gewölbe, sind klar ablesbar. Sie belegen damit den Wiederaufbau nach den verheerenden Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges. Die herbe ungeschmückte Architektur lässt den Raum heute von jedem beliebigen Standort aus klar erkennen, trotz der Überschneidungen, die sich immer wieder neu ergeben. Die gegenüber dem Rhythmus des Schiffes in lockerer Bewegung aufgelösten Chöre heben sich klar heraus. Die Dienste und Rippen sind so zartgliedrig, dass die ungegliederten Flächen voll zur Wirkung kommen. Die von Ost nach West durchlaufenden pfeilerartigen Gurte verstärken die Längentendenz des Raumes. Der mittelalterliche Innenraum ließ bis zur Reformation durch das fehlende feste Gestühl eine flexible Nutzung zu. In ihm konnte ständig bewegtes Leben herrschen. Die Idee dieser Flexibilität im Raum wurde nach dem Krieg durch Einzelstühle, statt starrer langer Bänke, aufgenommen. Die Marktkirche wird seitdem nicht allein für Gottesdienste, sondern auch für Theater, Vorträge, Diskussionen und Ausstelllungen genutzt. Die Marktkirche als Citykirche ist heute ein Ort herausragender Kirchenmusik, vielfacher Begegnungen und geistigen Schaffens. |
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