Die Orgeln der Marktkirche


Geschichtliches zur Orgel
Schon 1328 wird urkundlich eine Orgel in der Marktkirche erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte haben verschiedene Werke dort gestanden, seit 1594 eines des Holländers Andreas de Mare, das von dem bekannten Orgelbaumeister Adolph Compenius um 1640 erweitert wurde. Das Rückpositiv dieser Orgel befindet sich seit 1714 in der Kirche zu Garbsen bei Hannover. Ein weiteres Instrument, 1859 von den Hoforgelbaumeistern Gebr. Meyer unter teilweiser Verwendung des Materials der Compenius-Orgel gebaut, wurde 1893 von der Firma Furtwängler&Hammer erneut umgebaut. Es wurde im 2. Weltkrieg beschädigt und im Zuge der Wiederaufbauarbeiten der Kirche entfernt.

Die große Orgel
wurde 1953/54 als Ko-Produktion der Orgelbaufirmen Emil Hammer und Rudolf von Beckerath gebaut. Die äußere Gestaltung (Prospekt) und die Platzierung im südlichen Seitenschiff stammt von Architekt Dieter Oesterlen im Zusammenhang des Wiederaufbaus der Marktkirche nach der Zerstörung 1943. Die Gesamtgestaltung des Raumes inclusive des Orgelgehäuses steht unter Denkmalschutz.
Von 2007 bis 2009 wurde die große Orgel unter Verwendung des Oesterlen-Prospekts und knapp 50% des Pfeifenmaterials von der Orgelbaufirma Goll/Luzern technisch und klanglich neugebaut. Die Einweihung fand am Pfingstsonntag 2009 statt. Beim ORGELFEST HANNOVER vom 4. bis 7. Juni mit Konzerten, Vorträgen und Orgelführungen stand die neue Orgel im Zentrum des Interesses. Details erfahren Sie in folgenden Download-Dateien:
Disposition der neuen Goll-Orgel (PDF -Datei, 1 S. A4, Quelle: Goll) herunterladen: http://www.kirche-hannover.de/service/download.php3?id=1194
Disposition und Beschreibung der neuen Goll-Orgel (ausführliche PDF -Datei, 3 S. A4) herunterladen: http://www.kirche-hannover.de/service/download.php3?id=1197

Die Italienische Orgel
wurde 1780 von Fabrizio Cimino im neapolitanischen Stil erbaut. Nach der Grund-Instandsetzung des desolaten Instrumentes 1996 von Giorgio Carrara aus Rumo (Italien) wurde es 2003 von der Marktkirche Hannover mit Unterstützung der Niedersächsischen Lottostiftung und des Freundeskreis Kirchenmusik an der Marktkirche erworben.
2007 konnte es mithilfe einer privaten Großspende fachgerecht restauriert werden. Ausgeführt wurden diese Arbeiten von Orgelbaumeister Jörg Bente (klanglich-technischer Breich) und Kunstrestaurator Paul-Uwe Dietzsch (Farbfassung/Gehäuse).
Manual C-c³ (kurze Bass-Oktave); Principale 8' (C-F Holz gedeckt, G-e Holz offen, f-h' Prospekt, ab c² Innenpfeifen); Ottava 4' (C-E Holz, offen; ab F Metall); Decimaquinta 2' (Metall); Decimanona 1 1/3' (Metall, repetiert auf es²); Vigesima seconda 1' (Metall, repetiert auf h'); Voce umana (ab c', Metall, unterschwebend); Flauto a Duodecima 2 2/3' (ab f, Metall); Tiratutti (zieht alle Ripieno-Register ausser Principale); angehängtes Pedal: C, D, E, F, G, A, B, H; Stimmung: mitteltönig auf 440 Hz

Die Chor-Ensemble-Orgel
Ein besonderes Instrument ist auch die Chor-Ensemble-Orgel in der Marktkirche. Aus zweierlei Gründen: die Aufstellung im Raum und das klangliche Konzept.
Erbaut wurde das Instrument 2007/08 von Orgelbau Hermann Eule (Bautzen); es wurde am 16. Februar 2008 eingeweiht.
Der Standort ist an den beiden Seitenwänden auf der Sängerempore mit einer Gehäusetiefe von jeweils nur 95cm, der Spieltisch steht mittig auf der Empore.
Die Aufgaben des Instrumentes: Chor- und Orchesterbegleitung bei Kantaten und konzertanter Chormusik, Zusammenspiel mit Solisten und Bläserchören.

Hauptwerk (C-c4):
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Flöte 8' (offen)
Oktave 4'
Cornett 2f (ab c1, 5 1/3'+ 3 1/5')

Schwellwerk (C-c4):
Lieblich Gedackt 8'
Gambe 8'
Unda maris 8'
Fugara 4'
Traversflöte 4'
Progressio 3f
Trompete 8'
Musiziergedackt 8' (im Spieltisch, 440/415 Hz)

Pedal (C-f1):
Bordun 16' (Transmission aus HW)
Flöte 8' (Transmission aus HW)

Koppeln II/I, II4’/I, I/Ped, II/Ped
Tremulant Schwellwerk
Stimmung leicht ungleichstufig auf 440 Hz
Mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur
Setzeranlage

Das Musiziergedackt befindet sich im Spieltischgehäuse in der Mitte der Empore und somit in unmittelbarer Nähe des Orchesters (basso continuo). Die Temperierung, d.h. das Stimmungssystem dieses Registers, kann aufgrund der Pfeifenbauart den jeweiligen stilistischen Erfordernissen angepasst werden; die Stimmtonhöhe ist umschaltbar. Durch die Oktavkoppel ist das Musiziergedackt auch als 8’ + 4’ verwendbar.
Die Oktavkoppel in Verbindung mit dem großen Manualumfang ermöglicht eine besonders vielfältige Nutzung vor allem der Register des II. Manuals: z.B. Trompete 4’, Progressio als hohe Mixtur u.v.m.

Konzeption / Disposition:
Hans-Ulrich Funk, Axel Fischer, Ulfert Smidt, Armin Zuckerriedel


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