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Interessante Texte aus dem kirchlichen Leben in und um Hannover
26. März 2006
Wachwechsel auf den Gemeindeschiffen

Lutherische Christen wählen die neuen Kirchenvorstände

Chance zur Mitbestimmung: Viele Mitglieder der Kirchengemeinden nutzten die Gelegenheit, auf die Zusammensetzung der neuen Kirchenvorstände Einfluss zu nehmen.
Der erste echte Frühlingssonntag des Jahres stand in Stadt und Region Hannover ganz im Zeichen der Kirchenvor-
standswahl. Vor vielen der Wahllokale in den 70 Kirchengemeinden des Evangelisch-
lutherischen Stadtkirchen-
verbandes Hannover leuchteten Fahnen und Banner in sattem Violett und knalligem Grün. Die auffällige Werbung für die Wahl wirkte. Etliche Spaziergänger, so berichten Wahlvorstände, hätten Dank dieses Signals noch den Weg an die Urnen gefunden.

Als um 18 Uhr die letzten Wahllokale schlossen und sich die Helfer an die Auszählung der Stimmen machten, wurde es richtig spannend um die rund 450 zu verteilenden Sitze in den Kirchenvorständen. Wer von den mehr als 700 Kandidatinnen und Kandidaten das Rennen gemacht hat, stand erst nach gut vier Stunden fest, als alle Voten ausgewertet waren.

Erst da konnte auch die Wahlbeteilung bewertet werden. Die liegt mit 11,46 Prozent um rund zwei Punkte unter der von 2000, als 13,77 Prozent gemeldet werden konnten. (Damals zählten die Langenhagener Gemeinden noch zum Verband.) Die Bandbreite der Wahlbeteiligung in den Gemeinden umfasst ein Spektrum zwischen 4,6 Prozent im Stadtteil Linden und 47,13 Prozent in einer ländlich geprägten Gemeinde im Nordwesten der Landeshauptstadt.

Einen Grund für die Bandbreite vermutet Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann in der soziokulturellen Struktur: "In Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit und einem großen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund kommen weniger unserer Gemeindemitglieder zur Wahl als in wirtschaftlich besser gestellten Bereichen."

Dennoch konnten immerhin fünf von 70 Gemeinden mehr Wählerinnen und Wähler als vor sechs Jahren in die Wahlkabinen locken: St. Martin im Amtsbereich (AB) Garbsen/Seelze, St. Thomas (AB West), Dietrich Bonhoeffer (AB Ost) sowie St. Nathanael und Gethsemane (Beide AB Mitte).

Gesteigert werden konnte der Anteil junger Wählender im Alter bis zu 18 Jahren. Immerhin jeder 59ste gehörte bei dieser Wahl zur Gruppe der Erstwähler. 2000 war es lediglich jeder 80ste.

Während offenbar mehr junge Gemeindemitglieder als noch vor sechs Jahren motiviert werden konnten, selbst zu wählen, werden in den neuen Kirchenvorständen weniger junge gewählte Mitglieder im Alter zwischen 18 und 24 Jahren als bisher vertreten sein. Derzeit gehört rund jeder 30ste dieser Altersgruppe an. In den neuen Vorständen wird es lediglich jeder 37ste sein.

Gleichwohl bleibt das Durchschnittsalter der erfolgreichen Kandidaten und Kandidatinnen mit knapp 50 Jahren relativ konstant. (2000: 49). Dabei sind Frauen und Männer im Verhältnis von 224 : 215 (51% : 49%) in etwa gleich stark vertreten.

Leicht abgenommen hat hingegen der Anteil der bestätigten KV-Mitglieder. Rund 60 Prozent der Gewählten sitzen bereits in den gemeindeleitenden Gremien. Bei der Wahl 2000 wurden noch rund 65 Prozent erneut mit Führungsaufgaben betraut.

Gemeinsam mit den gut 160 noch zu berufenden Mitgliedern der Kirchenvorstände werden die gewählten Kandidatinnen und Kandidaten ab Juni die Ruder auf den Schiffen, die sich Gemeinde nennen, übernehmen. Bis 2012 sind dann die neuen Kirchenvorstände im Amt.

Es werden entscheidende Jahre sein, weil in der kommenden Legislaturperiode grundlegende Probleme angepackt und zukunftsweisend gelöst werden müssen. Denn die Evangelisch-lutherische Kirche steht - auch vor dem Hintergrund drastisch knapper werdenden Geldes - vor einem tiefgreifenden Wandel. Diesen zu gestalten ist eine gewaltige Herausforderung, der sich die am 26. März 2006 gewählten Kirchenvorstände stellen müssen. (js)

Nach der Schließung der Wahllokale wird es spannend: Die Wahlvorstände öffnen die Urnen und beginnen mit der Auszählung der Stimmen. (Fotos: Stever)

Nachdem die Stadtkirchenkanzlei bereits ab dem frühen Vormittag für Fragen rund um die Wahl telefonisch zu erreichen war, liefen dort ab 18 Uhr die Wahlergebnisse aus den Gemeinden zusammen. Vier Stunden nach Schließung der Wahllokale waren alle Ergebnisse erfasst und übersichtlich zusammengestellt.

Abwechslungsreiches Programm am Tag der Kirchenvorstandswahl: Viele Gemeinden belebten das Umfeld ihres Wahllokals mit Aktionen, Gottesdiensten und gastfreundlicher Bewirtung. Diese Aufnahme entstand bei einer Aufführung des Timotheus-Kindergartens. (Foto: Torsten Hildebrandt)

Kirchenvorstandswahl 2006 - Die Ergebnisse aus dem Stadtkirchenverband Hannover als PDF-Datei zum Download (220,15 KB)

Kirchenvorstandswahl 2006 - Die Ergebnisse als Excel-Datein zum Download (472.50 kB)

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