Bienen und Tomaten im Pfarrgarten

Nachricht 10. August 2018

Projekt Urban Gardening in der Dreifaltigkeitsgemeinde

Gabriele Kremkow (l.) und Claudia Löhrmann kümmern sich um die Hochbeete im Pfarrgarten. Foto: Sabine Dörfel

Das Projekt Urban Gardening in der Dreifaltigkeitskirche begann mit einem Knall. "Wie Schüsse klang es, als die große Kastanie im Pfarrgarten von einem Frühjahrssturm niedergerissen wurde und zu Boden stürzte", berichtet Pastor Jürgen Kemper. "Zum Glück kam niemand zu Schaden." Schnell war klar: Die neu entstandene große Fläche eignet sich bestens zum städtischen Gärtnern. Mit Hilfe eines Gartenarchitekten errichtete eine Aktionsgruppe vier große Hochbeete, kunstvoll gefüllt mit Schichten aus Holz, Laub, Grasschnitt und Erde.

Vier Monate nach dem Projektstart sitzen der Pfarrer, Kirchenvorstandsvorsitzende Claudia Löhrmann sowie Gabriele Kremkow und Gabriele Jäger als weitere Mitglieder der Gartengruppe auf einer Bank und beobachten, wie Bienen den Lavendel umsummen und immer mehr rote Tomaten zwischen den Blättern hervorlugen. Petersilie, Lauch, Salbei, Basilikum, Schnittlauch, viele verschiedene Tomatensorten, Erdbeeren, Gurken und Salat wachsen in den Kästen. "Den ersten Kräuterquark dieses Jahres habe ich komplett mit Zutaten aus den Beeten bestückt", erzählt Löhrmann, die direkt neben dem Pfarrgarten wohnt. "Ich wollte schon immer bei so einem Gartenprojekt mitmachen", sagt Kremkow, die ein eigenes Stück Grün oder einen Balkon vermisst. "Und mir gefällt der Gemeinschaftsaspekt, beim Gießen oder Ernten treffe ich spontan Leute."

Rund 20 Interessierte haben sich in der Gartengruppe zusammengefunden, es sind Konfirmanden dabei und junge Familien mit kleinen Kindern. Den ersten Härtetest hat die Gruppe in diesem langen heißen Sommer schon bestanden. "Wir haben einen wöchentlich wechselnden Gießdienst, der auch in den Schulferien bestens geklappt hat", sagt Pastor Kemper. "Das Projekt kommt in der Gemeinde gut an, denn es ist konkret und die Leute können sich so einbringen, wie es ihre Zeit erlaubt." Doch auch wer nur ernten möchte, ist willkommen und darf den Garten durch das unverschlossene Grundstückstor betreten. "Perspektivisch soll das hier ein öffentlicher Garten für den Stadtteil werden", blickt Kemper voraus. Als niedrigschwelliges Angebot könne das Gartenprojekt Menschen animieren, "zwar nicht in, aber hinter die Kirche zu kommen", sagt Löhrmann lächelnd. Zunächst aber habe die Initiative viel Bewegung in die Gemeinde gebracht, ergänzt Kemper. Zum Start habe ein Hobbyimker einen ersten Bienenstock im Garten aufgestellt, ein zweiter wird bald folgen. Der Kindergarten unternimmt regelmäßige Ernteausflüge zu den großen Holzkästen, aus der Seniorengruppe kam spontan die Zusage einer finanziellen Spende und die Eröffnungsandacht zur Langen Nacht der Kirche am 7. September wird im Pfarrgarten stattfinden. "Wir suchen noch einen Gärtner, der Kinder und Jugendliche an das Thema Gärtnern heranführt", wünscht sich Kemper. "Vielleicht können wir auch Flüchtlinge aus der Unterkunft bei uns um die Ecke in das Projekt miteinbeziehen."

Urban Gardening in der Dreifaltigkeitskirche lebt von dem ehrenamtlichen Engagement der Projektgruppe. Von den rund 2000 Euro, die die Stiftung Dreifaltigkeit und der Gemeinde-Verein für Kinder- und Jugendarbeit der Initiative bewilligten, ist erst die Hälfte verbraucht. "Der Gartenarchitekt hat uns mit Materialspenden unterstützt", berichtet Löhrmann. "Ohne die bereits vorgezogenen Pflanzen hätten wir noch nicht so schnell ernten können." Für Pfarrer Kemper kann das Projekt dazu beizutragen, "dass Kirche nicht nur redet, sondern auch handelt und ein Beispiel gibt". Etwas Gutes tun und dabei Spaß haben, das trage zur Entwicklung eines ökologischen Bewusstseins bei, hat er beobachtet. Das Projekt Urban Gardening punktet damit, dass es auch noch etwas Gutes zu essen gibt. Das zeigt der beherzte Biss in eine frisch aus dem Hochbeet gepflückte, rote runde Cocktailtomate.

Sabine Dörfel