Bild: Joanna Kosinska – Unsplash

Durch die Nacht flanieren

Nachricht Hannover, 07. September 2018

Hannovers Gemeinden bereiten sich auf die Lange Nacht der Kirchen vor

"Die Lange Nacht der Kirchen, das wird unsere Feiernacht", blickt Heike Bickmann auf den 7. September voraus. "Denn einen Teil des Abends widmen wir unserem Kirchenchor, der 130-jähriges Jubiläum feiert und auf diese Tradition sind wir als Gemeinde sehr stolz", berichtet die Kirchenvorstandsvorsitzende der St. Nikolaikirche in Limmer.  Doch der Kirchenchor wird sich an diesem Abend nicht selbst feiern. Die rund 25 Sängerinnen und Sänger haben unter der Leitung von Kantorin Martina Wagner ein buntes Programm vorbereitet, das die Besucher zum Mitsingen einlädt. Es reicht  von einer Liedkantate über "Geh aus mein Herz" bis hin zu einem vertonten afrikanischen Vater Unser. Rund 150 Zuhörer erwartet Bickmann  allein für den Chorauftritt, "denn unser Chor ist in der Region gut verwurzelt", doppelt so viele könnten es werden, wenn dann später am Abend Andy Lang auftritt. Der Pastor aus dem bayrischen Hof, der schon zum dritten Mal bei der Langen Nacht der Kirchen mitwirkt, präsentiert keltische Songpoesie mit Harfenbegleitung. "Unsere Gemeinde hat einen Schwerpunkt auf der Kirchenmusik und deshalb gehört Musik ‚ohne Wenn und Aber' zur Langen Nacht", sagt Bickmann lächelnd. Musik zum Mitswingen gibt es in St. Nikolai auch, denn die beiden Jugend-Bigbands der örtlichen Helene-Lange-Schule eröffnen das Programm der Langen Nacht, das in allen teilnehmenden Kirchen und Gemeinden um 18 Uhr beginnt und vielerorts bis Mitternacht geht.

Der Chor der St.-Nikolai-Kirche probt schon für die Lange Nacht der Kirchen am 7. September. Foto: Sabine Dörfel

Auch wenn St. Nikolai bei der Langen Nacht vor allem musikalisch feiert, ist sie nicht die einzige Gemeinde mit einem Musikprogramm an dem ersten Freitagabend im September. An rund zwei Dritteln der insgesamt 66 Veranstaltungsorte wird es Konzerte und Musicals, Chorauftritte und Musik zum Mitsingen geben, ob es Gospel, Jazz, ein Bob-Dylan-Abend, der Norddeutsche Synagogalchor oder ein Nachwuchsensemble des Knabenchor Hannovers ist. "Musik ist einfach das, was viele Menschen anzieht und auch verbindet", sagt Organisatorin Insa Becker-Wook vom Stadtkirchenverband Hannover. Während des Abends unter dem Motto "FreiRäume" können die Besucher der ökumenischen Langen Nacht aus einem breiten Programmangebot auswählen:  Meditation und Musik-Poesie, Kunst und Kabarett, Theater und Tanz, Lyrik und Lichterkirche, Friedensgebete und Flüchtlingsband, Offenes Singen oder Poetry-Slam. Erstmals wird es auch in einem Treffpunkt für Wohnungslose ein Angebot geben. Der Pianist und Sänger Christian Mädler spielt sein Programm "Einfach ich" im "Projekt Kompass" am hannoverschen Hauptbahnhof. In vielen Kirchen wechselt das Programm alle Stunde, mancherorts auch alle halbe Stunde. "Es ist erwünscht, dass die Besucher durch den Abend flanieren, von Kirche zu Kirche gehen und sich ihre persönlichen Highlights heraussuchen", sagt Becker-Wook. Offenbar bereiten sich viele Menschen schon im Vorfeld auf die zum neunten Mal stattfindende Lange Nacht vor, denn das Programm war bereits Mitte August vergriffen und der Stadtkirchenverband musste noch einmal nachdrucken. "Nach den Erfahrungen der Vorjahre werden schätzungsweise rund 30.000 Menschen die Lange Kirchennacht besuchen", sagt die Organisatorin. "Zusammen mit den rund 2000 Mitwirkenden und Ehrenamtlichen, die sich für die Kirchennacht engagieren, wird dieser Abend mehrere zehntausend Menschen bewegen, das ist schon eine stattliche Zahl."

Viele Programmangebote, viele Menschen, viele Eindrücke - gibt es denn an diesem bewegten Abend auch die Möglichkeit, sich auszuruhen? Frédéric Geruschke hat sich genau diese Frage gestellt. Der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende der St. Nicolaikirche Bothfeld hat seine Gemeinde für ein Experiment gewonnen, auch wenn es anfangs Zweifel gab. "Wir wollen bei der Langen Nacht der Kirchen einen Ruhepol anbieten", sagt Geruschke. "Wir haben eine sehr schöne Jugendstil-Kirche mit besonderen Ausmalungen. Wir wollen Menschen einladen, diese Kirche auf sich wirken zu lassen, still zu werden und zu sich zu kommen." Drei Stunden lang ist St. Nicolai geöffnet, der Raum wird sanft beleuchtet sein, es gibt eine Kissenecke zum gemütlichen Verweilen und während eine Cellistin leise Töne und kleine Melodiefolgen spielt, wird eine langsam laufende Videoprojektion besonders schöne Naturlandschaften zeigen. "Doch pro Stunde gibt es auch immer 15 Minuten absoluter Stille", sagt Geruschke, der auf das Echo dieses "Angebots eines Nicht-Angebots" gespannt ist. "Wer den Weg nach Bothfeld hinaus gemacht hat und doch feststellt, dass ihm die Stille zu still ist, muss nicht gleich wieder in die City fahren", beruhigt Geruschke. "Die Kirchen St. Philippus und Heilig-Geist sind in der Nähe gelegen und bieten ein interessantes Programm mit Konzerten, offenem Singen und spannenden Angeboten für Kinder."

Sabine Dörfel

Hinweis: Das Programm der Langen Nacht der Kirchen ist im Internet unter www.lange-nacht-der-kirchen.de abrufbar, dazu liegt es in Kirchengemeinden und öffentlichen Einrichtungen aus.

Programm

Das Programm zur Langen Nacht der Kirchen können Sie hier herunterladen.