Alte Schriften neu entziffern: Jakobikirche lädt zu Sütterlin-Sprechstunde ein

Nachricht Jakobi-Kirche, Hannover , 29. Januar 2020
Suetterlin-Sprechstunde
Jürgen Zerfass (r.) hilft Heiko Closhen beim Entziffern alter Dokumente. Foto: Sabine Dörfel

Konzentriert wandert der Zeigefinger von Jürgen Zerfass über das Dokument mit den alten Schriftzeichen. „Das hier könnte ein G sein“, sagt er, hält inne und vergleicht mit einem Sütterlin-Alphabet, das er vor sich auf dem Tisch liegen hat. Der 78-jährige Hannoveraner ist einer der ehrenamtlichen Experten der Sütterlin-Sprechstunde, die zum zweiten Mal in der Jakobikirche stattgefunden hat. Er hilft bei der Übersetzung alter Schriften. Dank Zerfass kann der Teilnehmer Heiko Closhen nach diesem Abend seinen Familienstammbaum vervollständigen, den er bereits bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt hat. 

„Wir haben eine neue Veranstaltungsreihe unter dem Namen ‚Wissen weitergeben – Gemeinschaft erleben‘ gestartet“, erklärt Initiatorin Sabine Wedekind. „Ziel ist, alte Kultur-Techniken und traditionelles Wissen zu bewahren und weiterzugeben.“ Die alte deutsche Schrift Sütterlin könne heute kaum jemand mehr lesen. Doch viele Menschen besäßen noch alte Dokumente in dieser Schrift, die ihnen beispielsweise Aufschluss über ihre Familiengeschichte geben könnten. Wedekind und Diakonin Insa Siemers waren von dem guten Echo auf das neue Angebot überrascht. Die ursprünglich nur für einen Abend geplante Sütterlin-Sprechstunde soll jetzt regelmäßig am letzten Mittwoch des Monats um 20 Uhr stattfinden. Der nächste Termin ist der 29. Januar.

In der Reihe „Wissen weitergeben – Gemeinschaft erleben“ finden aber auch noch andere Veranstaltungen statt. So stieß das Angebot einer offenen Häkel- und Strickwerkstatt auf gute Resonanz und wird jetzt regelmäßig am zweiten Montag jedes Monats um 19 Uhr im Jakobi-Gemeindehaus angeboten. Im Frühjahr können Interessierte den alten Klosterstich erlernen, ein mittelalterlicher Stickstich mit dem beispielsweise Teppiche hergestellt wurden. Weiter ist geplant einen Kalligraphie-Abend zu veranstalten. „Wir wollen hier aber nicht nur Fertigkeiten vermitteln, die man auch auf einem Youtube-Video sehen könnte“, betont Wedekind nachdrücklich. „Wichtig ist die persönliche Begegnung, es geht auch um Austausch und neue Kontakte im Stadtteil Kirchrode.“

Text: Sabine Dörfel