Die Ökumenische Essensausgabe ist für viele Menschen und besonders für wohnungslose Frauen und Männer ein wichtiger Anlaufpunkt in der kalten Jahreszeit. Immer mehr Menschen nutzen das Angebot einer kostenlosen Mahlzeit. Bis zum 21. März in der reformierten Kirche montags bis freitags von 11:30 bis 13:30 Uhr ein warmes Gericht.
„Dass es die Ökumenische Essenausgabe geben muss, ist ein Armutszeugnis für unsere reiche Stadtgesellschaft“, sagt Diakoniepastor Friedhelm Feldkamp, Geschäftsführer der Diakonisches Werk Hannover gGmbH: „Bereits am ersten Tag haben wir schlagartig hundert Essen ausgegeben, das wird sich in den kommenden Tagen und Wochen noch deutlich steigern.“ Daran zeigt sich, wie viele Risse das soziale Netz mittlerweile aufweist: „Das macht mir große Sorgen, denn Essen ist ein Grundrecht.“
Diakon Ingo Langner von der katholischen Innenstadtpfarrei St. Heinrich ergänzt: „Als Kirchen helfen wir, packen mit an, weil die Not so groß ist.“ Aber es braucht zudem strukturelle Veränderungen: „Die Politik schafft es seit Jahrzehnten nicht, das Problem der Wohnungslosigkeit konsequent anzugehen und auch Reichtum umzuverteilen.“ Wichtig ist Langner zudem ein seelsorgliches Angebot bei der Essenausgabe: „Wir stehen zu Gesprächen bereit, damit Menschen ihre Sorgen und Nöte einmal aussprechen können.“
„Jeder Mensch kann sich von einem auf den anderen Tag in einer Notsituation befinden“, betont Pastorin Dr. Ina Schaede von der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis: „Insofern ist die Ökumenische Essenausgabe ein Teil von Nachbarschaft, die wir im Stadtteil bieten.“ Dazu braucht es Menschen, die konkrete Hilfe vor Ort bereits eingeübt haben.
Vor fast 40 Jahren haben evangelische und katholische Christinnen und Christen die Ökumenische Essenausgabe ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit koordiniert das Diakonische Werk Hannover dieses besondere Angebot. Kooperationspartner sind die Evangelisch-reformierte Gemeinde Hannover, die Heilsarmee Hannover, sowie die katholische Kirchengemeinde St. Heinrich und die evangelisch-lutherische Neustädter Hof- und Stadtkirchengemeinde St. Johannis.
Die Essenausgabe finanziert sich rein aus Spenden und aus Kollekten der Kirchengemeinden. Bewährte Partner stellen das Essen bereit – in dieser Saison wieder Küchen der Nord/LB, der VHV Stiftung, der Firma Bahlsen und der Suppenhandlung in der Hannoverschen Nordstadt. Zudem gibt es frisches Gemüse von der Gemüsekiste aus Hemmingen, der Nachtisch kommt als Spende von Privatpersonen und der katholischen Gemeinde St. Heinrich.
Getragen wird die Essenausgabe von zurzeit 34 Ehrenamtlichen, die das Essen abholen, die Speisen ausgeben, abwaschen und aufräumen. Hedwig Niederstucke aus der Basilika St. Clemens ist eine von ihnen. Zweimal die Woche ist sie jeweils vier Stunden vor Ort. Ihr und den anderen Ehrenamtlichen ist es wichtig: „Ein ganz wichtiges Thema ist Einsamkeit." Denn ein offenes Ohr und ein freundliches Wort zu haben, gehören zur Essenausgabe dazu wie Kaffee und Nachtisch: „Für viele Gäste ist die Essenausgabe der einzige soziale Kontakt am Tag, daher ist eine seelsorgliche Begleitung wichtig.“ Obdachlose Menschen haben die Chance zur Ruhe zu kommen, auch Wärme an den kalten Tagen zu tanken.
Die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hannover stellt ihren Gemeindesaal mit Küche und Foyer für die kostenlose Mahlzeit zur Verfügung. Die Räumlichkeiten befinden sich in der Innenstadt in der Lavesallee 4 und sind für die Besucherinnen und Besucher barrierefrei zu erreichen. „Nächstenliebe ist für uns eine Selbstverständlichkeit und daher haben wir unsere Räume gerne geöffnet“, sagt Pastor Gerrit Schulte-Degenhardt. Das verändert auch die Gemeinde, vor allem den Blick auf Armut. „Armut wird oft mit Asozialität gleichgesetzt“, sagt Schulte-Degenhardt: „Wir merken hier sofort, dieses Vorurteil stimmt nicht.“ Auch das gehört zu den Besonderheiten der Ökumenischen Essenausgabe.