Genau 30 Jahre lang hat Professor Ulfert Smidt die Kirchenmusik an der Marktkirche Hannover geprägt, mit seinem musikalischen Temperament, kreativen Ideen und einer spürbaren Liebe zu den herausragenden Orgeln der Kirche. Am 22. Februar wird er jetzt mit einem feierlichen Gottesdienst um 10 Uhr in der Marktkirche in den Ruhestand verabschiedet. Die Festpredigt hält die ehemalige Landesbischöfin Margot Käßmann.
Sein Berufsweg ist für den gebürtigen Bremer aus einem Pastorenhaushalt gradlinig. „Ich soll schon als Sechsjähriger die Orgelbank erklettert und erste Töne produziert haben“, blickt er lächelnd zurück. Nach Stationen in Holzminden und Bremen begann er im Februar 1996 seine Traumstelle in Hannover, „das Profil der Marktkirche passte super“. Als Organist fand er mit Jörg Straube, dem damaligen Bachchor-Leiter, ein inspirierendes musikalisches Gegenüber. Gemeinsame Konzerte waren ebenso ein Publikumsmagnet wie die solistischen Tätigkeiten der beiden Musiker. Als Hauptkirche Hannovers ist die Marktkirche auch Predigtstätte für höherrangige KirchenvertreterInnen. „Ich habe in den 30 Jahren mit drei BischöfInnen, fünf SuperintendentInnen und vier PastorInnen zusammengearbeitet“, zählt Smidt auf. Ihm oblag auch die Gesamtleitung der Kirchenmusik der Marktkirche, zu der drei Chöre zählen: der Kinder- und Jugendchor unter Leitung von Smidts Frau Lisa Laage-Smidt sowie der Bachchor und die Kantorei St. Georg, seit 2024 unter der Leitung von Christian Rohrbach. Seit 2006 ist Smidt auch Honorarprofessor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, diese Tätigkeit wird er auch im Ruhestand weiterführen.
Aus einem reichen Musikerleben einzelne Projekte herauszuheben, ist nicht leicht. „Natürlich gibt es Highlights“, überlegt Smidt. Das Projekt „Licht-Traum“ beispielsweise, bei dem Design-StudentInnen 2011 Smidts Orgelmusik mit passender Lichtkunst begleitet haben. „Ja und natürlich das ganz große Projekt ‚Orgellandschaft Marktkirche‘“, berichtet der Organist. Rund zwölf Jahre hatte es gedauert, bis die große Goll-Orgel umgebaut, die italienische Orgel erworben und die kleine Chororgel neu gebaut worden waren. „2009 war dieses zukunftsweisende Projekt abgeschlossen und jetzt haben wir hervorragende Orgeln für unterschiedliche Aufgaben“, sagt Smidt. „Die Goll-Orgel für die großen Orgelkonzerte, die italienische mit feineren Klängen für Andachten und Taufen und die Chororgel für Konzerte mit Chören oder Solisten.“ Für Smidt war es „ein Herzensprojekt“ und er ist „sehr dankbar für die unermüdliche Unterstützung und das in mich gesetzte Vertrauen in dieser langen Zeit“. Auch an die Silvesterkonzerte erinnert er sich gerne, die sich aus einer anfänglichen Idee mittlerweile zu einer hannoverschen Institution mit bis zu 1000 Zuhörenden entwickelt haben.
Smidts Arbeitsort beschränkte sich nicht auf die Marktkirche. Als Hansebotschafter hat er Hannover im schwedischen Visby vertreten, auch in der hannoverschen Partnerstadt Bristol war er öfter zu Gast. Aus Gastkonzerten internationaler Künstler in der Marktkirche entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit Danzig, St. Petersburg oder Paris. Nach Verona, woher die italienische Orgel stammt, wird der Organist auch dieses Jahr wieder reisen. „Als Musiker ist man nie im Ruhestand“, ist Smidts Credo und so wird er viele musikalische Aktivitäten fortführen, „der Terminkalender für dieses Jahr ist mit Stationen in Göttingen, Florenz oder Porto schon gefüllt“. Seine Frau habe bereits prophezeit, dass er genauso viel unterwegs sein werde wie bisher, „nur ohne die Marktkirche“, schmunzelt der Musiker. Das passt, denn an der Marktkirche verantwortet jetzt Smidts Nachfolger Matthias Flierl die Kirchenmusik. Als Kirchenmusiker werde man ja oft gefragt, ob auch Musik Verkündigung sei, sagt Smidt. „Nein, aber sie ist die Antwort auf die Verkündigung“, formuliert er. Musik nicht in die erste Reihe zu stellen, sondern eine gewisse Demut zu behalten, das ist für Smidt auch „die Voraussetzung, um fröhlich Musik zu machen“.
Information: Bei dem Verabschiedungsgottesdienst in der Marktkirche Hannover am Sonntag, 22. Februar, um 10 Uhr predigt Landesbischöfin i.R. Margot Käßmann. Der Bachchor und der Kinder- und Jugendchor musizieren, Ulfert Smidt spielt Orgel. Marktkirchenpastor Marc Blessing nimmt die Entpflichtung vor. Nach dem Gottesdienst findet im Seitenschiff der Kirche ein kleiner Empfang statt. Ulfert Smidt gibt am Sonnabend, 21. Februar, um 18 Uhr in der Marktkirche ein Abschiedskonzert. Er spielt dabei an der großen Orgel Werke von Melchior Schildt, Bach, Franck und Jonathan Harvey. Der Eintritt ist frei.