Die letzten Kisten sind ausgepackt, jetzt geht es los. Die Evangelische Familienbildungsstätte (FaBi) startet mit gut ausgebuchten Kursen an ihrem neuen Standort im Gemeindehaus der Bugenhagenkirche. Mit dem Umzug aus der Innenstadt in die Südstadt schlägt die FaBi ein neues Kapitel auf: Räumliche Kooperation mit einer Kirchengemeinde und Verankerung in einem familienreichen Stadtteil.
„Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde, die uns mit offenen Armen empfangen hat“, sagt FaBi-Leiterin Christiane Kiesé. Die Gemeinde plane, ihre Familienarbeit auszubauen und das große Gemeindehaus aus den 30er Jahren intensiver zu nutzen. „Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, sagt Kiesé. Schnell hatten die Gemeinde und die Fabi einen Belegungsplan erstellt, die meisten Gruppenräume werden gemeinsam genutzt. „Da wir unsere Kurse überwiegend vormittags, die Gemeinde ihre Gruppen jedoch oft abends anbieten, gibt es kaum Probleme“, sagt FaBi-Pädagogin Larissa Thams. Ein bisschen Puzzzlearbeit sei es allerdings gewesen, räumt sie ein. Schließlich müssten wöchentlich rund 40 Angebote mit ihren insgesamt 30 Leitenden in den beiden Stockwerken des Gemeindehauses untergebracht werden.
Auch in den Stadtteil hat die FaBi schon ihre Fühler ausgestreckt. Auf dem Wochenmarkt am Stephansplatz teilten die Mitarbeiterinnen Handzettel aus und stellten sich in den Südstädter Kitas, der Stadtbezirksrunde und dem Familienzentrum vor. „Hier gibt es mit dem nahen Kinderspielplatz und der Grundschule auch mehr Laufpublikum als in der Innenstadt“, sagt Kiesé. „Viele Vorbeikommende haben schon mal neugierig hereingeschaut.“ Ein Programm können sie Interessierten allerdings nicht mehr in die Hand drücken, denn die FaBi-Kurse sind nur noch im Internet, auf Instagram oder Facebook verzeichnet. „Das ermöglicht uns, flexibler zu reagieren, beispielsweise kurzfristig neue Kurse zu starten“, erläutert Thams. Auch sonst habe sich die FaBi an neue Entwicklungen angepasst. „Viele Menschen legen sich nicht mehr so gerne fest, deshalb bieten wir auch kürzere Kurslaufzeiten an oder die Möglichkeit später einzusteigen.“
Mit ihrem Angebot für Menschen zwischen „null und hundert Jahren“ diene die FaBi auch als ein guter Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen, hat Kiesé beobachtet. Besonders stark werde die FaBi von Kindern bis zu drei Jahren und ihren Eltern sowie der Generation Ü55 genutzt. Die Zahl Alleinerziehender in Hannover habe deutlich zugenommen, gleichzeitig gebe es weniger unterstützende familiäre oder nachbarschaftliche Netzwerke, weiß Thams. Deshalb veranstaltet die FaBi monatlich ein Alleinerziehenden-Café, das die Chance zum Austausch und Kennenlernen bietet. Eine andere Beobachtung sei, dass Menschen zunehmend Räume suchten, in denen sie nicht so stark den gesellschaftlichen Leistungs- und Optimierungsdruck verspürten, hat Kiesé erfahren. „Eine Teilnehmerin sagte mir, zu euch kann ich auch ungeschminkt kommen.“ Solche Räume zu bieten, werde besonders der Kirche noch zugetraut. „Wir sind zwar ein Verein, aber wir werden von der Landeskirche und vom Kirchenkreis Hannover unterstützt“, berichtet die Leiterin. Ihr und dem Team sei die kirchliche Orientierung wichtig, „es passt zu dem Geist unseres Hauses“.
Für die Zukunft der FaBi haben Kiesé viele Ideen und Wünsche. „Ein offenes Café für alle Generationen als Gegenpol zu Bezahlangeboten, vielleicht kombiniert mit einem Repair-Angebot wäre schön“, sagt sie. Dringlich findet sie auch ein niedrigschwelliges Beratungsangebot für Alltagsthemen. „Durch unsere Kurse sind wir nah dran an den Lebensthemen und Alltagssorgen sehr unterschiedlicher Menschen“, weiß Kiesé. Bei Bedarf zwischen „Tür und Angel“ kurze Gespräche anbieten zu können, sei eine Chance, unkompliziert und präventiv Menschen zu erreichen. Doch bei derzeit knapp zwei festen pädagogischen Stellen sei das noch Zukunftsmusik. Einen ersten Versuch will das Team jedoch starten. Im November und Dezember bieten die FaBi und die Bugenhagen-Gemeinde vier Mal einen kostenlosen offenen Nachbarschafts-Mittagstisch an. „Willkommen sind alle, die Lust auf Essen, Gemeinschaft und Austausch haben“, sagt Kiesé.
Information: Das neue Programm der FaBi für das Jahr 2027 steht ab 11. November im Internet unter www.fabi-hannover.de.